Detailergebnis zu DOK-Nr. 82531
Präferenzen und Verkehrsentwicklung mit automatisierten Fahrzeugen (Forschungsprojekt MB4_20_01D_01 auf Antrag des Bundesamtes für Strassen ASTRA)
| Autoren |
M. Lenz F. Harder J. Schippl M. Puhe T. Fleischer M. Hackenfort T. Stoll |
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| Sachgebiete |
6.7.3 Automatisiertes und Autonomes Fahren 5.0 Allgemeines (Verkehrsplanung, Raumordnung) |
Zürich: Schweizerischer Verband der Straßen- und Verkehrsfachleute (VSS), 2025, 229 S., zahlr. B, T, Q, Anhänge (Bundesamt für Straßen (Bern), H. 1807)
Das Projekt schließt an eine Reihe von Astra-Forschungsprojekten an, die sich schon früh mit der Entwicklung des automatisierten Fahrens (AF) und dessen möglichen Auswirkungen auf die Mobilität in der Schweiz beschäftigt haben. Bereits seit 2016 gibt es in der Schweiz Pilotversuche mit autonomen Shuttle-Bussen, die zukünftig im Linien- oder On-Demand Verkehr den „klassischen“ ÖPNV ergänzen oder gar ersetzen könnten. Die Verkehrs- und Infrastrukturplanung braucht solide Abschätzungen über mögliche zukünftige Entwicklungen. In der Schweiz spielt dabei das Nationale Personenverkehrsmodell (NPVM) eine wichtige Rolle. Trotz vieler aufschlussreicher Forschungsergebnisse, ist bisher nicht ausreichend verstanden, wie sich autonomes Fahren auf das Verkehrsverhalten auswirken wird und mit den bestehenden Verkehrsmodellen abbilden lässt. Dementsprechend zielt das Projekt darauf ab, über Fokusgruppen (FG) ein besseres Verständnis zu erlangen, welche Änderungen durch AF zu erwarten sind und welche Prozeduren und Parameter im NPVM angepasst oder erweitert werden sollten, um diese adäquat abzubilden. Fokusgruppen sollen nicht repräsentativ sein. Vielmehr bieten sie die Möglichkeit, in moderierten Gruppendiskussionen mit fünf bis zehn Teilnehmenden (TN) Einstellungen, Präferenzen, Erwartungen oder Befürchtungen eingehend zu diskutieren. Es gab insgesamt fünf Fokusgruppen: drei FG wurden mit Personen besetzt, die aufgrund der Literaturlage eine besonders hohe Affinität zu AF erwarten lassen („High Potentials“). Zwei dieser Gruppen wurden mit Personen besetzt, die lange Pendelwege haben. Eine weitere Gruppe bildeten Jugendliche/junge Erwachsene, die im ländlichen Raum wohnen. Die anderen beiden Gruppen wurden soziodemographisch gemischt zusammengesetzt. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen mögliche Änderungen bei Freizeit- und Pendelwegen. Zusammen machen diese beiden Wegezwecke in der Schweiz einen Großteil der zurückgelegten Wege und der Verkehrsleistung aus und lassen damit auch die größte Wirkung auf das Gesamtverkehrssystem erwarten. Insgesamt brachten die Fokusgruppen vielseitige Erkenntnisse zu möglichen Änderungen von Mobilitätsentscheidungen durch AF. Über alle Fokusgruppen hinweg sind einige sehr klare Aussagen erkennbar. So ist beispielsweise deutlich geworden, dass die Bereitschaft, längere Fahrten insbesondere zu Verwandten oder zu beliebten Zielen häufiger durchzuführen steigt, wenn autonomes Fahren das Fahrerlebnis verbessert und die Fahrt erleichtert. Die größten Änderungseffekte lassen sich nach den FG-Diskussionen bei längeren Strecken im Freizeitverkehr und auch im Pendelverkehr erwarten. Fokusgruppen haben sich als ertragreiche Methode erwiesen, die den bisherigen Kenntnisstand im Hinblick auf die verkehrlichen Wirkungen von AF erweitern kann. Wie vielfach in der Literatur angemerkt, kann es für unterschiedliche Fragestellungen sehr gewinnbringend sein, die Vorteile quantitativer und qualitativer Erhebungsmethoden systematisch auszunutzen. Das würde bedeuten, FG gezielt mit quantitativen Befragungen zu kombinieren.