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Detailergebnis zu DOK-Nr. 82557

Verkehr und Umwelt im Wettbewerb: Potenziale einer historischen Perspektivierung politischer Steuerungsverfahren zur nachhaltigen Transformation des Verkehrsbereiches

Autoren V. Damm
C. Franke
M. Lehmann
M. Werchohlad
Sachgebiete 0.2 Verkehrspolitik, Verkehrswirtschaft
0.16 Klimaschutz, Nachhaltige Entwicklung, Ressourcenschonung, Lebenszyklusbetrachtung, Ökobilanz

Zeitschrift für Verkehrswissenschaft 94 (2025) Nr. 3, S. 125-156, zahlr. Q

Ob die „Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität- den europäischen Verkehr auf den Weg in die Zukunft bringen“ und zu einer radikalen Senkung der CO2-Emissionen führen wird sowie die Forderung eines „echten Wandels“ durch die EU-Kommission umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. Wirtschafts- und gesellschaftspolitische Entscheidungs- und Abwägungsprozesse spielen hier ebenso eine Rolle wie die Veränderung und Persistenz von langfristig gewachsenen Mobilitätspraktiken jenseits des Umstiegs auf Elektromobilität, der Erforschung von Wasserstoff und gasförmigen Kraftstoffen für Transport- und Lastkraftwagen oder „smart mobility“-Ansätzen. Inwieweit die unter dem Schlagwort der Nachhaltigkeitspolitik angestoßenen Wandlungsprozesse und die von ihnen geprägten technischen Lösungsstrategien bis heute durch die historischen Trajektorien von Wettbewerbs- und Deregulierungspolitik mitbestimmt und strukturell geformt sind, wurde im Rahmen dieses Beitrags exemplarisch verdeutlicht. Zielgerichtetes politisches Handeln erfordert daher – so die hier vertretene These – ein vertieftes Verständnis für die strukturprägenden Verflechtungen und Dynamiken historischer Steuerungsentscheidungen. Der Blick auf die Entwicklungszusammenhänge im Verkehrssektor (hier des Straßenverkehrs) hat gezeigt, dass die Etablierung von wettbewerbsorientierten Handlungslogiken in der europäischen Verkehrspolitik keine systematische Politik hervorgebracht hat, die die Erreichung von Klimazielen an oberste Stelle setzt. Vielmehr wurden nachhaltige (Verkehrs-) Technologien – aber auch Umweltmaßnahmen – nur als Ergebnis von Marktprozessen sowie Teil einer (angebotsorientierten) Verkehrspolitik gesehen. Es hat sich insofern als fatal erwiesen, Wettbewerb als Schlüssel zu einem nachhaltigen Verkehr zu definieren, wie die Entwicklung der Emissionsstatistik in den letzten drei Jahrzehnten eindrucksvoll belegt. Die Wettbewerbsordnung ist – zumindest in ihrer derzeitigen Form – nicht neutral im Zielkonflikt von Umwelt und Verkehr, sondern führt zu allokativen Fehlleistungen bei den Klimazielen, die es zu beseitigen gilt. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass die bestehende Wettbewerbsordnung auf den Prüfstand gestellt werden sollte. Es bedarf – so das Ergebnis der Überlegungen dieses Beitrags – einer historisch reflektierenden, kritischen Prüfung der unterschiedlichen Dimensionen von Verkehrspolitik, um die selbstgesteckten Klimaziele erreichbar werden zu lassen.