Detailergebnis zu DOK-Nr. 82735
Öffentlicher Verkehr mit Haltestellen-basierten automatischen Fahrzeugen: Modelle für die Verkehrsmittelwahl für verschiedene Fahrtzwecke am Beispiel von Flandern/Belgien (Orig. engl.: Preferences for stop-based pooled automated vehicles in mode choice models across trip purposes in Flanders, Belgium)
| Autoren |
L. Notelaers M.A. Arman P. Vansteenwegen C.M.J. Tampère |
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| Sachgebiete |
6.7.3 Automatisiertes und Autonomes Fahren |
European Transport Research Review 17 (2025) Nr. 64, 16 S., 1 B, 16 T, zahlr. Q. − Online: https://doi.org/10.1186/s12544-025-00756-3
Es ist absehbar, dass in Zukunft für den öffentlichen Verkehr automatisch fahrende Verkehrsmittel eingesetzt werden. Deswegen sind in Belgien Überlegungen durchgeführt worden, wie sich solche Verkehrsmittel in Konkurrenz zu existierenden Angeboten auf die Verkehrsmittelwahl auswirken. Betrachtet wurden automatisch fahrende Busse, die auf Anforderung verkehren, die aber Fahrgäste nur an definierten Haltestellen aufnehmen und aussteigen lassen. Dazu wurde eine Befragung von 645 Personen durchgeführt (Methode: Stated choice).Dabei wurden auch sozio-demographische Daten der Teilnehmer erhoben und es wurde nach Fahrtzwecken (Berufsverkehr, Schule, Freizeit, Einkauf) und Verkehrsmitteln (automatische Busse, Auto, Linienbus, Fahrrad, zu Fuß) unterschieden. Die Daten wurden mit verschiedenen mathematischen Modellen analysiert. Bemerkenswert ist die perfekte Darstellung der Modelle (Logit, Nested Logit, korrelierte Nested Logit) eine Übersicht, wie man sie sonst nicht so kompakt findet. Das Ziel der Analyse war es, herauszufinden, wie das automatische System im Verhältnis zu herkömmlichen Verkehrsarten wahrgenommen wird und welche Potentiale es als Ersatz für bestehende Verkehrsangebote bietet. Es zeigt sich: Das moderne System erscheint den Kunden für Berufsverkehr und Schule als ein Ersatz für einen Linienbus. Somit bildet das automatische System eine Ergänzung zum ÖPNV. Im Freizeitverkehr erscheint eine Ähnlichkeit zum Auto, weil im Freizeitverkehr die Flexibilität des automatischen Systems wichtiger ist als die Pünktlichkeit des ÖPNV. Folglich kann das automatisierte System im Freizeitverkehr den motorisierten Individualverkehr teilweise ersetzen. Für Einkaufsfahrten überwiegt die Ähnlichkeit zum Linienbus und nicht zum Auto. Das bedeutet, dass hier der automatisierte Bus keine große Akzeptanz findet. Dies alles unterstreicht: man muss die Chancen eines modernen Verkehrsmittels anhand der Fahrtzwecke bewerten. Die Zusammenhänge zwischen den sozio-ökonomischen Parametern und der Wahl des modernen Verkehrsmittels ergeben ein sehr vielschichtiges Bild. Dabei zeigt sich unter anderem für die automatischen Busse eine höhere Zahlungsbereitschaft als für den Linienbus. Die Wartezeiten an Haltestellen spielen bei dem automatisierten System eine geringere Rolle als beim Linienbus. Insgesamt kann das automatische System als eine komfortable Ergänzung des Hochleistungs-ÖPNV angesehen werden – vor allem für periphere Gebiete und freizeitorientierte Angebote. Ungeklärt ist, welchen Einfluss die, möglicherweise geringere, Zuverlässigkeit der Reisezeiten hat.